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Naturerlebnisbad im Kemnather Land — Die erste Saison PDF Drucken

Der Sommer und damit auch die Badesaison 2011 waren landesweit gesehen sehr bescheiden. Landauf und landab zeigte sich die Sonne unbeständig und wenn, dann nur in kurzen Zeitspannen. Kein Wunder also, dass vielerorts die Besucherresonanz in den Freibädern sehr schlecht war. Die von der deutschen Gesellschaft für das Badewesen durchgeführte Freibadbefragung 2011 zeigt die Abweichung der Besucherzahlen 2011 im Vergleich zu 2010. Im Bundesdurchschnitt besuchten im Jahr 2011 33,6 % weniger Badegäste die Freibäder. Um diesen Mittelwert schwanken regional und witterungsbedingt die Besucherrückgänge. Besonders im Norden und Nordwesten Deutschlands (Postleitzahlengebiete 1, 2 und 4) war das Wetter offensichtlich bescheiden. Im Süden und Südosten der Republik rettete vor allem der August die Bilanz. So gesehen wurde im Kemnather Land alles richtig gemacht, denn der im Oktober 2010 begonnene Umbau des alten konventionellen Freibades in Immenreuth zum „Naturerlebnisbad im Kemnather Land“ konnte pünktlich wie geplant im Juli dieses Jahres abgeschlossen werden. Das schlechte Wetter wurde somit für die Bauphase genutzt, und als die Sonne kam, war alles für ein außerordentliches Badevergnügen bereitet.

Am 31.07.2011 fand die feierliche Eröffnung des neuen Bades mit viel Politprominenz und den örtlichen Geistlichen bei dem für den Juli typischen bescheidenen Wetter statt. Der sonnige August und das rundum gelungene neue Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung führten dann zu einem Besucherrekord, der die kühnsten Erwartungen übertraf. Alleine im Monat August besuchten 36.300 zahlende Gäste das Naturfreibad. Nach einem erfolgreichen Einwand der begeisterten Badegäste, das Bad nicht schon am 31.08. zu schließen, konnte bis zum 12. September weitergebadet werden und am Ende wurde die 40.000er Besuchermarke erreicht. Genau 40.571 zahlende Gäste führten zu Einnahmen von 74.589,50 Euro an Eintrittsgeldern und 24.643 Euro an Kioskerlösen. Schaut man sich diese Besucherstatistik genauer an, wird die Leistungsfähigkeit der Wasseraufbereitung deutlich. Diese ist auf eine Nennbesucherzahl von 1.500 Badegästen ausgelegt. Die Nennbesucherzahl ist nicht als absolute Kenngröße zu verstehen und kann durchaus auch einmal überschritten werden. Dass das Bad jedoch an neun aufeinanderfolgenden Tagen permanent über 1.500 Besucher anlockt und am 23. August mit 4.641 zahlenden Gästen der Spitzenwert in dieser ersten Saison die Auslegung gleich um das Dreifache überschreitet, war so nicht vorauszusehen. Umso überzeugender stellt sich somit die Leistungsfähigkeit des Geomatrix® Bodenfilters dar. Bei den wöchentlichen Hygienemessungen wurden keine Beanstandungen im Beckenwasser festgestellt, die hohen Anforderungen des Umweltbundesamtes wurden problemlos eingehalten.

Genauso wichtig wie ein hygienisch einwandfreies Wasser ist die Betriebssicherheit im Freibad. Der Beckenboden muss erkennbar sein, um gegebenenfalls einem verunglückten Badegast sofort helfen zu können. Die Ausgangsbedingungen für eine klare Sicht sind im Kemnather Land denkbar schwierig, da das Grund- und auch das Trinkwasser PO4-Konzentrationen von 500 bis 700 µg/l − entsprechend einer Pges-Konzentration von 160 bis 230 µg/l − aufweisen. Die Richtlinie für Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung gibt eine Pges-Konzentration von 10 µg/l vor. Als Füllwasser wird in Immenreuth Trinkwasser verwendet. Planerisch wurde auf die hohen P-Konzentrationen mit einer Entphosphatierungsstufe für das Füllwasser reagiert. Dieses wird zudem nach der Aufbereitung zuerst auf den Bodenfilter geleitet, bevor es dann ins Becken gelangt. Daneben gibt es ein weiteres technisches Detail, welches für „klare Verhältnisse“ sorgt.Trübungsmessung als Maß für klares Wasser im Vergleich zur Besucherzahl

Ein an der Geomatrix® positionierter separater P-Filter entphosphatiert zusätzlich das Badewasser. Der P-Filter ist gezielt über das Prozessleitsystem ansteuerbar und erlaubt somit eine belastungsabhängige Entphosphatierung. Mit Hilfe dieser Technik war es möglich, auch bei höchster Auslastung eine klare Sicht zu gewährleisten. Die Grafik zeigt die Online-Aufzeichnung der Trübung im Vergleich zur Besucherzahl. Im Mittel liegt die Trübung zwischen 0,5 und 1 FNU (Formazine Nephelometric Units), während der besucherstarken Tage vom 15. bis 25. August auch leicht darüber. Macht man sich deutlich, dass der Grenzwert für Trinkwasser 1 FNU beträgt, unterstreicht dies die guten Sichtverhältnisse im Becken. Gut zu erkennen sind auch die Peaks am Morgen, welche ein Hinweis auf das Absaugen des Beckenbodens sind. Die trübstoffreiche Fracht, welche mittels Bodensauger und Schwimmschlauch in die Überlaufrinne geleitet wird, führt entsprechend zu hohen Messwerten. Auch die Reinigungsleistung der Geomatrix® kann aus der Grafik herausgelesen werden und zwar in Form der abfallenden Trübungsmesswerte zwischen den Besucherbalken. Während des Abends und in den Nachtstunden werden die Trübstoffe aus dem Wasser entfernt, so dass am Morgen wieder kristallklares Wasser zur Verfügung steht.

Bei den gestalterischen Elementen, die ein Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung auszeichnen, punktete neben der neu errichteten Breitwellenrutsche mit einer Länge von 15,5 m vor allem der neue Sandstrand, der sich lagunenmäßig ins Wasser fortsetzt. Neu gestaltet wurde auch der Kleinkinderbereich. Im alten Bad war dieser weit ab vom Sanitär- und Kioskbereich in der Nähe der Sprunggrube angeordnet. Um hier bessere Wegebeziehungen und eine leichtere Aufsichtsmöglichkeit für Familien zu schaffen, ist das neue Planschbecken am Sandstrand und nahe den Sanitäranlagen positioniert. Ein Blickfang ist auch die neu gestaltete 5-m-Sprunganlage in Felsoptik, welche nur noch entfernt an ihre Vorgängerin aus grauem Beton erinnert. So neu gestaltet hat sie das Potenzial zum Wahrzeichen des Bades zu werden.

Autor: Dr. Klaus-Jürgen Winter, EKO-PLANT GmbH

Quelle: EKOPress 03/2011

Anlage: Projektkenndaten NSB im Kemnather Land

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